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VLBA - Very Large Business Applications

Betriebliche Anwendungen und Informationssysteme

VLBA

Eine Anwendung (Application) implementiert einen Prozess oder mehrere logisch zusammenhängende rechnergestützte Prozesse. Betriebliche Anwendungen (Business Applications) dagegen implementieren Prozesse der rechnergestützten betrieblichen Leistungserstellung. Sind Prozesse direkt erfolgswirksam, so handelt es sich um Geschäftsprozesse. Werde diese durch Anwendungssoftware implementiert, wird von betrieblichen Anwendungssystemen gesprochen [4].

Die Wirtschaftsinformatik beschäftigt sich mit der Konzeption, Entwicklung, Einführung, Wartung und Nutzung von Systemen der computergestützten Informationsverarbeitung (Informationssystemen) in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung [3]. Fälschlicherweise wird in der Praxis häufig für  betriebliches Anwendungssystem synonym auch der Ausdruck Informationssystem verwendet [1]. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass es innerhalb eines rechnergestützten Informationssystems eine Vielzahl von betrieblichen Anwendungssystemen gibt, auf deren Funktionen und Daten ein Informationssystem basiert. Die Notwendigkeit der Trennung in verschiedene betriebliche Anwendungssysteme ergibt sich aus der Vielzahl der betrieblichen Anwendungsgebiete wie Rechnungswesen, Personalwesen, Logistik, Vertrieb oder Marketing.

Very Large Business Applications

Bei einer VLBA handelt es sich um eine betriebliche Anwendung, die innerhalb der einsetzenden Organisation eine strategische Bedeutung hat. Signifikante Merkmale einer VLBA sind:

  • Eine VLBA unterstützt einen oder mehrere Prozesse, wobei mindestens einer ein Geschäftsprozess ist. Somit ist eine VLBA direkt erfolgswirksam und eine strategische Abhängigkeit der Organisation vom Einsatz einer VLBA gegeben, denn eine Abkehr oder Änderung des Systems ist mit großem finanziellen, personellen und organisatorischen Aufwand verbunden.
  • Eine VLBA besitzt keine räumlichen, organisatorischen, kulturellen oder technischen Beschränkungen.
  • VLBAs können sowohl durch Anwendungssysteme wie auch durch Systemlandschaften implementiert sein. Entscheidend ist, dass sie einen (unternehmensübergreifenden) Geschäftsprozess unterstützen.

Mit dem Einsatz modernster Technologien soll eine möglichst weit reichende Automatisierbarkeit interner Abläufe erreicht werden. Beispiele für derartige Software sind Supply-Chain-Management (SCM)- und Customer-Relationship-Management (CRM)- Systeme, sofern sie alle definierten Anforderungen erfüllen. VLBAs ähneln einem betrieblichen Informationssystem in der Weise, dass sie mehrere betriebliche Anwendungsgebiete unterstützen können und in diesem Fall auf mehreren Typen von betrieblichen Anwendungssystemen basieren. Zur Einordnung einer VLBA in die betriebliche Informationsverarbeitung gibt die folgende Abbildung 1 einen Überblick.

Metamodell der betrieblichen Informationsverarbeitung im Kontext einer VLBA

Abbildung 1: Metamodell der betrieblichen Informationsverarbeitung im Kontext einer VLBA

VLBA als Forschungsgebiet

VLBA ist auch als Forschungsgebiet definiert. Heutige heterogene und gewachsene Systemlandschaften, wie sie in der Regel in der betrieblichen Praxis vorzufinden sind, leiden unter dem Symptom der Spaghetti-Integration. Es erscheint daher sinnvoll, Prinzipien des Software-Engineering auf die Ebene der Systemlandschaften anzuheben und so eine Konstruktionslehre im Sinne eines System-Landscape-Engineering zu etablieren.

Allerdings entstehen auch beim Betrieb solcher Landschaften Probleme, die es durch Forschung und Entwicklung zu beheben gilt. Diese ergeben sich z. B. aus der Notwendigkeit der Automatisierung, fehlender theoretischer Fundierung und aus strategischen Entscheidungen, die an die technischen Grenzen einer VLBA stoßen und damit eine Lauffähigkeit unter gleich bleibenden Anforderungen unmöglich machen. Anpassungen einer VLBA an sich wandelnde Bedürfnisse eines Unternehmens und sich verändernde Umweltbedingungen sind mit Hilfe eines Change Managements zu realisieren. Durch die Lösung bestehender Probleme entstehen Soll-Modelle. Zudem erweitert sich die technologische Grenze, wodurch VLBAs nachfolgender Generationen in den Fokus rücken. Darin ist der dynamische Charakter der Entwicklung von VLBAs zu erkennen.

Ein Schlüsselthema für die Konstruktion von Systemlandschaften und deren Betriebskonzepten ist die Entwicklung geeigneter Softwarearchitekturen. Mithilfe von Softwareentwicklungsmethoden, die insbesondere für sehr große Systeme geeignet sind wie z.B. Patterns [2], können VLBAs realisiert und unter Verwendung von verteilten Diensten standardisierte betriebliche Aufgaben unterstützt werden. Hierzu wird ein besonderes Informationsmanagement erforderlich sein, das eine allen Qualitätsansprüchen (u.a. Sicherheit und Zuverlässigkeit) an konventionelle Software genügende Informationsinfrastruktur erschafft. Auch aktuelle Trends wie Compliance, etwa aus Gesetzesbestimmungen resultierende Geschäftsregeln, sollen in eine solche Infrastruktur mit aufgenommen werden.

Referenzen

  1. Heinrich, L.J., Heinzl, A., Roithmayer, F.: Wirtschaftsinformatik-Lexikon. 7. Aufl., München, Wien: Oldenbourg (2004)
  2. Herden, S., Marx Gomez, J., Rautenstrauch, R., Zwanziger, A.: Software-Architekturen für das E-Business. Berlin: Springer (2006)
  3. Mertens, P., Bodendorf, F., König, W., Picot, A., Schumann, M., Hess, T.: Grundzüge der Wirtschaftsinformatik. 9. Aufl., Berlin: Springer (2005)
  4. Stahlknecht, P., Hasenkamp, U.: Einführung in die Wirtschaftsinformatik. 11.Aufl., Berlin: Springer (2005)

Autor(en):

Universität Magdeburg
Vrije Universiteit Brussel, Faculty of Science, Software Languages Lab
Universität Magdeburg
Universität Magdeburg
Universität Magdeburg
Universität Magdeburg

Prof. Dr. Möslein
(Uni Nürnberg-Erlangen)

Prof. Dr. Schwabe
(Uni Zürich)

Dr. Orestis Terzidis
(SAP Research)

Heino Schrader
(SAP University Alliances)