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Lebenslagen in Very Large Business Applications

Autor(en)
Veröffentlicht:
30.03.2007

Einführung

Information und Kommunikation spielen insbesondere für Fach- und Führungskräfte für die effektive Durchführung ihrer Aufgaben und das Treffen von Entscheidungen eine wichtige Rolle. Die benötigten Informationen erhalten sie über bestimmte IT-Ressourcen wie Dokumente, IT-Services oder Funktionen einer Anwendungssoftware. Heutzutage sind derartige Mitarbeiter einem situativen Wandel von Anforderungen ausgesetzt. Aufgaben können auf dieser Basis nicht mehr vorstrukturiert und damit standardisiert werden. Die folgenden drei Beispiele beschreiben diese Tatsache deutlicher: (1) Mitarbeit in Projekten (Zugriff auf bestimmte IT-Ressourcen nur zeitweise und ggf. nur einmalig); (2) Notfallszenarien im Support/Help Desk erfordern für einen Mitarbeiter kurzfristig erweiterte Kompetenzen (z. B. für Reparaturen in produktiven Servicesystemen mit Analyse und Beseitigung von Problemen); (3) orthogonale Aufgaben wie Audit Services oder Cross-Review-Aufgaben (ad-hoc-orientierte Prozesse, die für eine bestimmte Zeit Zugang zu allen Details eines bestimmten Bereichs benötigen).

Solche Situationen treten insbesondere in großen und sehr großen Organisationen, welche IT-seitig von einer (gewachsenen) heterogenen Systemlandschaft (Very Large Business Application (VLBA)) unterstützt werden, vermehrt auf: Selbst Mitarbeiter in vermeintlich statischen Umgebungen haben aufgrund der wandelnden Anforderungen von Stakeholdern, wandelnden Aufgaben und Kompetenzen eines Mitarbeiters, organisatorischen Umstrukturierungen wie Fusionen, Reorganisationen etc. sogar in der normalen Arbeitstätigkeit häufig wechselnde Informationsbedarfe, die so einzigartig sind, dass sie – wenn überhaupt – selten kurzfristig von dieser Organisation IT-seitig bedient werden können. Aus diesem Grunde wird auch von einem individuellen (Informations-)Problem gesprochen, wenn in einer bestimmten Situation Informationen für eine weitere Bearbeitung der Aufgabe fehlen. Im E-Government wurde für derartige Situationen der ebenso in der Umgangssprache vorkommende Begriff der Lebenslage definiert. Er bezieht sich auf frühere Arbeiten aus den Sozialwissenschaften zur Armutsforschung und soll hierfür als Metapher für Informationsarmut herhalten. Das Lebenslagenproblem wurde – trotz dessen nachgewiesener Relevanz – bislang jedoch unzureichend wissenschaftlich untersucht. Diesem Mangel wird mit dem vorliegenden Forschungsprojekt begegnet.

Vorgehensweise

Als Ursachen für derartige Informationsprobleme werden in dieser Arbeit konkret (1) das Informationsbedürfnis des Mitarbeiters und (2) die damit zusammenhängenden, für ihn als Benutzer fehlenden Zugriffsrechte für IT-Ressourcen gesehen. Daher wurde zunächst die Domäne des Autorisierungsmanagements als organisatorische Querschnittsfunktion identifiziert. Für die Autorisierung von IT-Ressourcen hat sich in Organisationen in den letzten Jahren die rollenbasierte Zugriffkontrolle (RBAC) etabliert. Aus einer Diskussion dieses Ansatzes im Allgemeinen (Rollenkonzepte in Soziologie, Betriebswirtschaft und Informatik) und insbesondere in großen Organisationen wird geschlossen, dass für eine individualisierte Vergabe von Zugriffsrechten Unzulänglichkeiten vorliegen. Als Ansatz zur Lösung des Lebenslagenproblems wird das Unterstützen von Extrarollenverhalten gesehen. Extrarollenverhalten tritt auf, wenn ein Mitarbeiter einer Organisation in einer bestimmten Arbeitssituation spontan aus einer der ihm formal zugewiesenen Rollen "austreten" muss, um einen individualisierten Zugriff auf bestimmte IT-Ressourcen in einer Systemlandschaft über Einzelberechtigungen oder so genannte funktionale Rollen zu erhalten. Auf dieser Basis wurde zunächst Personalisierung von Individualisierung abgegrenzt und das Gestaltungsmuster des Lebenslagenprinzips formuliert. Hiernach wurden alle relevanten Artefakte der identifizierten Domäne in einem Domänenmodell abgebildet und die Ursachen für Lebenslagenprobleme in einem Kriterienkatalog zusammengetragen. Hinsichtlich der methodischen Unterstützung der individualisierten Vergabe von Zugriffsrechten wurde neben einem umfangreichen Literaturreview und Dokumentenanalysen eine empirische Studie durchgeführt, deren Ergebnisse zu einem Referenz-Vorgehensmodell führten. Die Ableitung von organisatorischen und technischen Voraussetzungen für das Beheben von Lebenslagenproblemen bildet den Abschluss des Forschungsprojekts.

Autor(en):

Universität Magdeburg

Prof. Dr. Möslein
(Uni Nürnberg-Erlangen)

Prof. Dr. Schwabe
(Uni Zürich)

Dr. Orestis Terzidis
(SAP Research)

Heino Schrader
(SAP University Alliances)